Zufällig wurde aus einem Journalisten Cherno Jobatey der Talkmaster einer erfolgreichen RBB-Talkshow

 

Alles begann mit einem TV-Beitrag in einer abendlichen Nachrichtensendung. Dort wurde Frankfurt an der Oder als Stadt der ewig Gestrigen porträtiert, voller Alt-Kader, Skinheads und Arbeitsloser. Die Frankfurter wollten das nicht auf sich sitzen lassen und machten, angeführt von der dortigen Regionalzeitung mobil und deckten Fehler auf. So war etwa der gezeigte Skinhead ein Genesener, der gerade eine Chemotherapie hinter sich hatte. In einem Altersheim hatte der TV-Reporter einen 20er für die Kaffeekasse springen lassen, damit die „Internationale“ gesungen wurde. Der TV-Chefredakteur musste sich den Bürgern stellen.

Aber dann wollte Heinz Kannenberg, einer der Macher der "Märkischen Oderzeitung" ("MOZ"), einen Schritt weiter gehen und zeigen, welches Potenzial in  Frankfurt steckt, Aufräumen mit Vorurteilen. Seine Idee: wir machen eine Talkshow, so wie Kerner eben. Und da sieht man, wie wir wirklich sind. Und wenn ein Brandenburger sich was in den Kopf gesetzt hat, dann …

Eine Halle wurde gemietet, alle Wichtigen angefragt, alles lief. Doch dann fragte irgend jemand: Wer macht denn den Moderator?  Beim allgemeinen Brainstormen erinnerte sich Kannenberg an einen Auftritt in der Presseschau des ZDF Morgenmagazins. Sofort versuchte er einen über diese Anfrage ziemlich verblüfften Cherno Jobatey zu erreichen, der zunächst nicht wirklich wollte und „dazu auch keine Ahnung hatte, wie Talk geht“. Heinz Kannenberg blieb hartnäckig, rief 35 Mal an, bis er ein „Ja!“ von dem Fernsehmoderator hatte. Schnell sprach sich das bis in die Frankfurter Fernsehredaktion des ORB rum , die wiederum meldete sich und wollte das Event aufzeichnen.

Redakteur Kannenberg, der noch nie Fernsehen gemacht hatte, im Gespann mit Moderator Cherno Jobatey, der noch nie getalkt hatte. Die veranstaltende "Märkischen Oderzeitung" taufte das Ganze "Brandenburger Treff - Talk auf dem MOZ-Sofa". Der Abend war ein Erfolg, man hatte Spaß mit Boxprofi Axel Schulz, Gesine Schwan und anderen. Danach gab’s ein Fleischsalat-Buletten-und-Freibier-Büffet für alle.  Der ORB sendete das Ganze noch zu später Stunde.

 
Wahrscheinlich hätte man nie wieder etwas von diesem Event gehört, wäre die Quote nicht so eindrucksvoll gewesen: Eine einmalige,  nicht angekündigte Sendung, bei der immer  mehr Zapper hängen blieben, deren Quote sich im Sendungsverlauf vervielfachte. Am nächsten Tag hatte der frischgebackene Talkmaster Cherno Jobatey den Intendanten des Senders am Telefon. ORB und MOZ beschlossen, das Ganze in Serie zu produzieren. So entstand „eine der erfolgreichsten Sendungen in dritten Programmen“ (Die Welt). Die Sendung lag stets deutlich über dem Senderdurchschnitt, verdoppelte ihn.

Regelmäßig meldete sich Talkmaster Cherno Jobatey von da an "trittsicher zwischen News und Show agierend" (Märkische Allgemeine) irgendwo aus dem Lande Brandenburg und natürlich auch aus der grössten brandenburgischen Stadt Berlin. Die Gäste wurden gemixt: Popstars, Bundesminister, Landespolitiker, Stadtväter, Oscar-Gewinner, beeindruckende „Normalsterbliche“  aber auch erfolgreiche Unternehmer kamen zu Wort. Die Redaktion bemühte sich um Talkgäste, die man sonst nie sieht, und genau dann gings einmal drunter und drüber: Beim Auftritt der als medienscheu geltenden First Lady Brandenburgs musste die Sendung unterbrochen werden, als die Geladene mitten im Satz aufsprang, um einem umgefallen Zuschauer zu Hilfe zu eilen.

Nach lustigen und erfolgreichen 18 Monaten, zog sich die MOZ im Zuge der allgemeinen Zeitungskrise aus diesem Engagement zurück, der ORB machte unter dem Regiment von Redaktionsleiterin Katrin Mandel im Gespann mit Talkmaster Cherno Jobatey weiter.

Da die Namensrechte bei der MOZ lagen, wurde die Show umbenannt in „Cherno. Die ORB-Talkshow“. Kurze Zeit später  fusionierten die Sender SFB und ORB zum RBB. So wurde wieder umbenannt in „Cherno. Die RBB-Talkshow“. Nach fünf erfolgreichen Jahren, mit Quoten im zweistelligen Bereich, der Rekord lag bei 24%, konzentrierte sich Talkmaster Cherno Jobatey dann wieder auf den Politik-Journalismus am frühen morgen im ZDF.